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Cova d'en Xoroi

Betrachtungen zum Biosphärenreservat

Menorca-Spain
Alvin

Tour Guide, Menorca, Spain

| 4 mins read

Menorca ist eine Insel voller Kontraste, die ein reiches Natur- und Kulturerbe birgt. Die klimatischen Bedingungen und der geologische Reichtum haben auf dieser felsigen, von Wind und Meer geformten Insel eine grosse Artenvielfalt hervorgebracht, und die harmonische Beziehung und Nutzung des Landes durch die Menschen, die seit alters her die Insel bewirtschafteten, haben eine Kulturlandschaft geschaffen, die zu einer Säule der Inselidentität geworden ist. Die im Landesinneren vorherrschende Landschaft ist das Ergebnis eines uralten Gleichgewichts von Land- und Viehwirtschaft und der natürlichen Vegetation. Die Landwirtschaft, obwohl wirtschaftlich von geringerer Bedeutung als der Tourismus, hat eine zentrale Funktion, nicht nur zur Erzeugung von Nahrungsmitteln, sondern auch zur Erhaltung der natürlichen Umwelt (63 Prozent der Insel sind landwirtschaftliche Nutzfläche). Die Erhaltung der umweltverträglichen extensiven Landwirtschaft ist folglich unverzichtbar für die nachhaltige Entwicklung der menschlichen Aktivitäten im ländlichen Raum.

Ein Schlüsselelement für den großen Reichtum und die Vielfalt an Lebensformen der Insel ist ihre Geologie. Das bunte Mosaik an Texturen, Formen und Farben der Materialien stammen vom ältesten Zeitalter bis zur Gegenwart, wodurch eine Landschaft voller Kontraste entstanden ist, eines der Merkmale, die Menorca von den anderen Baleareninseln unterscheidet.

Der Naturpark von Es Grau beherbergt eine große Zahl verschiedener mediterraner Ökosysteme und bildet die Kernzone des Biosphärenreservats. Die Erklärung zum Naturschutzgebiet erfolgte 1995 als Abschluss langjähriger Bürgerproteste, die in den Siebzigerjahren ein Bebauungsvorhaben rund um die Lagune verhinderten.

Die Europäische Union hat den Schutz von Gebieten geregelt, deren ökologischen Wert repräsentativ ist, um den Erhalt der natürlichen Lebensräume und der wild lebenden Tiere und Pflanzen sicherzustellen. Auf Menorca stehen 38 Prozent der Landfläche unter EU Naturschutz. So das gesamte Gebiet des Naturparks sowie die gut erhaltenen Küstenbereiche und Schluchten, Gegenden mit temporären Teichen, sowie besondere Schutzgebiete für Greifvögel im Landesinneren.

Über den 185 Km langen Cami de Cavalls (Pferdeweg) entlang der Küste rund um Menorca kann man die Landschaft mit ihren vielfältigen Ökosystemen und das reiche historische Erbe kennenlernen. Einst wurde er zu Verteidigungszwecken benutzt und später, um die Bauernhöfe an der Küste erreichbar zu machen. Im vergangenen Jahrhundert ging die Tradition verloren, den Weg und seine Beschilderung in Stand zu halten, und einige Abschnitte des Wegs wurden für den Durchgang gesperrt, bis in den Achtzigerjahren aus der Bevölkerung die Forderung aufkam, ihn wieder herzustellen. Der Weg, der für die Kraft der sozialen Bewegung bei der Rückgewinnung des kollektiven Erbes steht, wurde im Jahr 2010 schließlich vom Inselrat wieder eröffnet.

Die 215 Km lange Küste ist Heimat vieler Mikro-Ökologien und - Gemeinschaften (z.B. die  Neptungraswiesen) die im Mittelmeer weitgehend verschwunden sind. In Juni 2019 wurde das Meeresreservat im Norden der Insel auf 12 Km rund um die Küste erweitert und wurde damit zum größten Meeresbiosphärenreservat im Mittelmeerraum, ein Schutzgebiet in dem die Nutzung und Ausbeutung der Meeresumwelt mit ihren außergewöhnlichen Unterwasserlandschaften, insbesondere durch die Fischerei, geregelt wird.

Das harmonische Landschaftsbild mit einem Gleichgewicht von natürlicher Umwelt und Agrikultur ist einer der Eckpfeiler der Erklärung von Menorca von der UNESCO zum Biosphärenreservat in 1993: eine Anerkennung der natürlichen und kulturellen Werte sowie des Engagements Menorcas für Nachhaltigkeit und für die Bewältigung der Herausforderung, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Insel mit Umweltschutz und der Bewahrung des Erbes für zukünftige Generationen zu vereinbaren. Das Gebiet wird zu einem Schutzbereich mit drei Hauptaufgaben: dem Erhalt der biologischen und kulturellen Vielfalt, der ökologisch nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung und der logistischen Unterstützung von Experimenten, Forschung und Bildung. Aus diesem Grund und wegen der Besonderheiten der Insel ist Menorca ein lebendiges Labor, in dem Lösungen für globale Probleme geprüft und Modelle entwickelt werden, die als Vorbild für andere Regionen des Biosphärennetzwerks (660 Schutzgebiete) weitergegeben werden können. Dass Menorca seine eigene Identität mit der Verwurzelung der eigenen Kultur, seinen paradiesischen Stränden, reiner Luft und regenerativer Ruhe bewahrt hat, ist dem Engagement der Menorquiner zu verdanken, die sich an den verändernden Rhythmus der Gesellschaft anpassen, ohne das ureigene Wesen zu verlieren!